Bergapotheke Zellerfeld

Die Geschichte des Hauses

Im Relief über der Eingangstür haben wir die Jahreszahl 1674 bemerkt. In diesem Jahr wurde die Berg-Apotheke erbaut, doch bestand sie schon seit nahezu einem Jahrhundert.

Herzog Julius zu Braunschweig-Wolfenbüttel gründete die Apotheke 1576, indem er die Einrichtung aus Goslar heraufschaffen ließ und den Apotheker Georg Kegel bestellte. Auf ihn folgte 1581 der Apotheker Markus Racke. Er mußte sich verpflichten, wöchentlich den Rammelsberg bei Goslar zu befahren, von allen Erzen und Bergarten Proben zu machen und nach Wolfenbüttel zu schicken. Als ihm diese zusätzliche Aufgabe zu beschwerlich wurde, erlaubte ihm der Herzog, seine frühere Apotheke in Wolfenbüttel wieder zu übernehmen.

1586 kam der Apotheker Johannes Röel in die Zellerfelder Apotheke und erhielt vom Herzog wertvolle Privilegien. Wahrscheinlich ist sie dann nahezu achtzig Jahre im Besitz der Familie Röel geblieben.

Am 18. Oktober 1672 fiel die Apotheke dem großen Brand in Zellerfeld zum Opfer. Sie gehörte damals dem Apotheker Ernst Schmettau, der durch seine Frau, eine geborene Röel, in ihren Besitz gekommen war. Da ihm die Mittel zum Wiederaufbau des Hauses fehlten, verkaufte er das Apothekenprivilegium an den Apotheker Jakob Andreas Herstelle, der seit 1671 die Clausthaler Apotheke besaß. Seine Frau Anna Kathrina Herstelle finanzierte die Errichtung eines prächtigen Hauses, das in dem neu geplanten Zellerfeld 1674 an einer ihnen zugewiesenen Stelle gebaut wurde.

Jakob Andreas Herstelle schien das Apotheken-Privilegium nicht genügend gesichert. Deshalb ließ er sich den Kaufkontakt von den Herzögen in Braunschweig und Lüneburg bestätigen und kam dabei in den Besitz der Sonderrechte, die sie Johannes Röel und seinen Erben zugestanden hatten. Er allein war z.B. berechtigt, Aquavit und süßen Wein auszuschenken.

Jakob Andreas Herstelle überließ die Clausthaler Apotheke seinem Sohn Ehrhard Andreas, während die Zellerfelder Apotheke sein Sohn Georg Leopold bekam. Als dieser 1712 starb, fiel Erhard Andreas Herstelle auch noch die Zellerfelder Apotheke zu. Nach seinem Tod im Jahre 1718 erhielt seine Witwe die Berg-Apotheke, die sie 1727 an Friedrich Arend Leopold Herstelle verkaufte. Seine Tochter Henriette Luise heiratete den Provisor Gottlob Drechsler, den Sohn des Predigers Christian Drechsler zu Neuwitz in der Neumark, wodurch die Apotheke an die Drechslersche Familie kam. (Ihre Nachfahren, auch Pfarrerfamilien, leben noch heute in der Gegend von Magdeburg.)

Christian Gottlob Drechsler übergab die Zellerfelder Apotheke seinem Sohn Dr. phil. Friedrich Christian, der aber noch vor seinem Vater starb. Nach dessen Tod im Jahre 1810 wurde die Apotheke an den Apotheker Mühlenpfort und 1917 an den Apotheker Heinrich Gottschalk verpachtet, bis sie Oskar Drechsler 1863 von seinem Vater, dem Forstrat Gustav Drechsler, Sohn des Friedrich Christian Drechsler, erbte. So blieb die Apotheke 136 Jahre im Besitz der Familie Drechsler. Oskar Drechsler verkaufte sie 1875 an den Apotheker Ernst Mattenklott. 1891 ging sie durch Kauf an den Apotheker Brömel, 1900 an den Apotheker Bernhard Rüger und am 1. Juli 1905 für zweihundertfünftausend Goldmark an den Apotheker Paul Schultze über. Nach seinem Tod verpachteten die Erben die Apotheke an den Apotheker Ludwig Geyger im Jahr 1922, 1936 an den Apotheker Martin Kranz, 1949 an den Apotheker Ferdinand Nuhn und 1958 an den jetzigen Pächter Apotheker Heinz Scriba.

Im Laufe der Jahrhunderte haben die Apotheker natürlich einige Änderungen an dem Haus vorgenommen. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde z.B. die Statue eines wilden Mannes aus einer Nische in der Hausecke entfernt, die Eingangstür um die Jahrhundertwende gegen eine dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechende ersetzt und ein Laboratorium angebaut. (Der Zeitpunkt ist völlig unbekannt.) In seinen wesentlichen Teilen ist der Apothekenbau jedoch in der ursprünglichen Form erhalten geblieben. Noch heute werden die fast dreihundert Jahre alten Räume bewohnt, und die Apotheke versorgt noch die Zellerfelder Bevölkerung ebenso mit Arzneien wie die ersten Bergleute in der "neuen Ansiedlung auf dem Clausberge und in und an den Clausthälern".*

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*entnommen aus: "Die Bergfreiheit des Oberharzes" von H. Morich den Harz in Clausthal-Zellerfeld am 13.2.1937

Anmerkung

Bis 1979 war mein Großvater Apotheker Heinz Scriba Pächter des prachtvollen Hauses. 1978 übernahm Apotheker Herr H.F. Ruttewit das Apothekerhaus und gab das Zepter 33 Jahre später, im Jahr 2011, an die Apothekerin Frau Ariane Röthele weiter.

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