Bergapotheke Zellerfeld

Das Kaminzimmer

Ein anderes repräsentatives Zimmer ist auf völlig andere Weise ausgeschmückt. Hier arbeiteten die Meister die Stuckfiguren nicht in die Decke, sondern in zwei gewaltige hervorspringende Kamine, auf denen die gegensätzlichsten, phantasievollsten und sinnlosesten Gegenstände abgebildet sind.

"Die ältesten und zugleich bemerkenswertesten Kamine sind in der Bergapotheke in Zellerfeld erhalten. Sie stehen sich im Saal gegenüber und sind als Gegenstücke gefertigt. Die Feueröffnung ist um eine Stufe erhöht; sie besteht aus hartem Sandstein. (In ihr steht heute jeweils ein kleiner Kachelofen aus dem 19. Jahrhundert.) Nach der Größe und Form der Kaminöffnungen zu urteilen, dürfte eine Benutzung als offene Feuerstelle nur schlecht möglich gewesen sein."

Aus: Hans-Günther Griep in "Das Bürgerhaus der Oberharzer Bergstädte",

S. 226 - 227

Der rechte der gegenüberliegenden Kamine, der lebhafter und unübersichtlicher als der Linke gestaltet ist, läßt in einem Gewirr von Fabeltiergeschichten, Blumen, Blättern und Bändern pralle barocke Puttengesichter erkennen. Den Mittelpunkt bildet eine figurengekrönte ovale Tafel, die kleine Engel in wehenden Tüchern halten.

Sie trägt die Inschrift:

Igni praebebam tristissima pabula nuper,

Praebeo nunc oculis pabula grata tvis.

1674

(Nahrung bot ich dem Feuer - o klägliches Schauspiel - vor kurzem, Augenweide gar schön biete dem Blicke ich jetzt.)

Der Spruch bezieht sich wahrscheinlich auf den großen Brand in Zellerfels im Jahre 1672, der die frühere Apotheke völlig zerstörte. Den linken Kamin schmücken in kraftvoller Bewegtheit stark geschwungene Ornamente, die sich zu verzerrten Gesichtern und im Sockel zu merkwürdigen Frauengestalten verschlingen.

Über dem gehauenen Sims liegt auch hier eine Inschrift, welche ein Phantasiegesicht mit auffallend großen Ohren bewacht.

Transivere patres simul hinc transibimus omnes,

In coleapatriam qui bene transit habet.

1674

(Ins Jenseits wandeln die Väter,

Ins Jenseits wandeln wir alle,

Im Himmel findest Du die Heimat,

Ist makellos Dein Wandel hier.)

Die beiden Kamine geben dem Zimmer ein außergewöhnlich schönes Profil, obwohl sie beinahe ein wenig zu wuchtig und protzig gebaut sind. Ihre Stuckverzierungen unterscheiden sich deutlich von denen der übrigen Räume, weil die Meister sie gröber, weniger plastisch und doch in ihrer Art eindrucksvoller geformt haben.

Vielleicht liegt das daran, daß sie härteres Material als bei den anderen Figuren verwand haben, oder daß die Stuckbilder einfach in einer anderen Zeit gearbeitet worden sind. Eine Kunsthistorikerin meinte, die Kamine seien zwar so alt wie das Haus, doch habe man ihre wenig schönen Verzierungen erst wesentlich später angebracht. Die meisten Leute halten es jedoch für möglicher, daß gerade die noch unbeholfenen Gefüge der ineinanderschwingenden Bögen und Gegenstände dem frühen Barock und damit der Erbauungszeit des Hauses entstammen.

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