Kreuzbandriss Katze

Ein Kreuzbandriss bei einer Katze...

...kommt häufiger vor, als man annehmen mag.

Auch mich, Katze Penny, hat es eines Tages aus heiterem Himmel erwischt.

Die Situation war für mich und meine Menschen absolut unbekannt. Mit Hilfe des Internets - vielmehr der vielen Menschen die darin etwas darüber schrieben - fanden sie viele gute Antworten auf die so plötzlich auftretenden dringenden Fragen. Aus diesem Grund möchte ich anderen Katzenfreunden mit Tipps und Tricks hier zur Seite stehen.

Die "richtige" Behandlung danach (ca. sechs Wochen lang nach der Operation) müssen die Menschen schon selbst erbringen. Und mit dem sonst so üblichen "die Katze kommt eine Weile nicht raus" oder "ich lasse sie eine Zeit lang einfach in nur einem Zimmer", ist es in diesem Fall leider noch nicht getan.

Der Schreckmoment und die Diagnose

Es war ein regnerischer feuchtkalter Dezemberabend und plötzlich konnte ich nicht mehr richtig laufen! Ich wollte auf etwas raufspringen und bin abgerutscht.

So humpelte ich auf drei Beinen nach Hause. Das Vierte hing vollkommen unmotiviert hinten an mir runter. Meine Menschleins waren aufgeregt und auch vollkommen ratlos. Da auch etwas Blut zwischen meinen Tatzen klebte, lag es in den Augen meines Menschleins nahe, dass ich lediglich eine Pfotenverletzung haben könnte und deshalb mit dem Hinterbein nicht auftrete. Mit dieser Hoffnung schliefen wir dann ein.

Am nächsten Morgen war keine Veränderung der Situation zu erkennen. Mein Hinterbein baumelte vor sich hin. Das rief dann leider die örtliche Tierärztin auf den Plan. Zum Glück hatte mein Menschlein gerade noch Urlaub! Nichts gegen die Tierärztin nur jegliche motorisierte Entfernung von meinem Revier macht mich zitternd vor Angst.

Mein Bein wurde von ihr abgetastet und das Gesicht meiner Tierärztin wurde immer ernster und ernster. Es ist keine Pfotenverletzung, mit dem Knie stimmte etwas ganz und gar nicht. Dies ist ein Fall für die Tierklinik! Nichts gegen eine Tierklinik, aber eine halbe Stunde im Auto in einem kleinen Kasten zu verbringen, ist einfach ein grobes Verbrechen an die Katzenheit - darf man ja wohl mal sagen als Katze.

Meine beiden Hinterläufe hat man am gleichen Tag in der Tierklinik digital "geröntgt". Auf dem Bild war das gesunde Bein und das "kranke" Bein zu sehen. Dort, wo normaler Weise Unter- und Oberschenkelknochen im Knie aufeinander treffen, war im kranken Bein deutlich eine Verschiebung zu erkennen. Die Knochen lagen nicht in einer einheitlichen Linie aufeinander, sondern differierten weit auseinander. Als Laie würde ich sagen, es sah so aus, als wenn sie ca. 1 cm voneinander in seitlicher Richtung entfernt waren. So kann man nicht mehr auftreten, das war nun klar. Klar war auch, dass es kein Bruch war, sondern dass die Bänder am Knie sehr geschädigt sind. Welche Bänder genau betroffen sind, lässt sich erst in einer Operation feststellen.

Operation Ja oder Nein

Wäre ich nicht erst nur sieben Jahre alt, sondern vielleicht schon 14 und dazu noch ein Stubentiger und wäre der Schaden nicht gleich sooo schlimm, dann hätte man vielleicht von einer Operation abgesehen. Nach einer Weile hätte sich das Knie selbst wieder etwas funktionstüchtiger gemacht (fragt mich nicht wie) und man würde zwar humpelnd und mit Arthrose, aber dennoch unoperiert, seinen Lebensabend mehr oder weniger genießen.

Doch quasi erst am Lebensmittag angekommen, gerne freilaufend und von stattlicher Größe (die Menschleins nennen es Übergewicht), komme ich um eine Operation nicht drumrum, da würde jeder Tierarzt zu einer Operation raten. Das ist in meinem Fall gar nicht so ausschlaggebend gewesen, sondern die Tatsache, dass der Schaden im Knie zu groß war, als dass sich von alleine eine Verbessung hätte einstellen können. Von den Schmerzen mal ganz abgesehen.

Die Kosten

Eine Operation kann in diesem Fall 700 bis 1000 Euro kosten. Anderswo mag es günstiger oder sogar teurer sein. Es kommt auch darauf an, wie viele Bänder wo repariert werden müssen, ob etwas weggenommen werden muss und ob sogar Metallteile bzw. -schienen hinzugefügt werden müssen. Manchmal kann das der Tierarzt erst während der Operation erkennen und entsprechend "reparieren".

Jedes Menschlein wird erst einmal ungläubig den Kopf schütteln. Aber ich sag' euch eins, kommt erst mal wieder zur Ruhe und macht euch bei einer Tasse Jasmintee mal einfach ein paar Gedanken. Schlägt der Tierarzt keine andere Option vor als eine Operation, dann werdet ihr bald erkennen, dass man irgend wo anders Einschränkungen machen kann und man das Geld berappen wird. Die Alternative wäre sonst einschläfern, oder eine sich lebenslang mit dem Bein herumquälende Katze - das muss man einfach mal so deutlich sagen. Diese Alternativen kommen bei näherer Betrachtung überhaupt nicht in Frage, denn die Möglichkeit der Katze durch einen operativen Eingriff wieder das Leben zu ermöglichen das sie vorher hatte, ist einfach gegeben.

Heutzutage sind wir nun mal mehr Familienmitglieder als Nutztiere! Natürlich mache ich mich nützlich und fange Mäuse aus der Umgebung und setze sie lebend im Haus ab. Wie, es sollte umgekehrt sein?

Ferner können (muss aber nicht) noch ein wenig Kosten für ein geeignetes Gehege anfallen, aber davon später.

Was in meinem Fall operiert wurde

Doch zunächst wurde ich gar nicht operiert. Erst einmal sollte die Schwellung im Knie etwas zurückgehen. In dieser Zeit durfte ich im Haus noch frei herumlaufen. Viel gegangen bin ich auf meinen drei Beinen mit den Schmerzen natürlich nicht. Immerhin bekam ich ein Schmerzmittel.

Am Abend vor der Operation brachten mich die Menschleins zur Tierklinik, wo ich dann in einem Käfig ohne Fressen, Telefon, Fernseher, PC und Internetanschluss ausharren musste. Und das nur, weil beide berufstätig sind und mich nicht direkt vor der Operation hinbringen konnten - soviel zum Thema Familienmitglied.

Dann wurde ich am Morgen operiert. Am Nachmittag rief die Tierklinik bei den Menschleins an und berichtete vom Ausmaß der Verletzung. Ich hatte noch Glück im Unglück, da "nur" das Kreuzband zerstört war und keine Seitenbänder. Damit mussten wohl auch keine helfenden Metallteile ins Knie eingebaut werden. Soweit ich das verstanden habe, wurden mir Bänder oder Sehnen aus dem Oberschenkel genommen und als Kreuzbandersatz sehr fest anoperiert. Der Meniskus musste komplett herausgenommen werden. Eine Arthrose werde ich auf jeden Fall bekommen. Aber wenn die etwa sechswöchige Nachbehandlung von den Menschlein "richtig" gemacht wird, so kann ich wenigstens wieder auf allen Vieren laufen.

Erst am nächsten Tag durften mich meine Menschlein wieder abholen. Mein krankes Bein sah aus wie ein Hühnerschenkel, so kurz rasiert. Die Narbe war zwar groß, aber so groß nun auch wieder nicht. Vielleicht fünf bis sechs Zentimeter lang. Sie war genäht und aus irgendeinem Grund am Ende zum Oberschenkel hin sogar zusammengetackert, als würde ich aus Papier bestehen. Einen Verband hatte ich nicht drum. Viele andere Erfahrungsberichte erwähnen häufig einen Verband, den man sich als Katze sogar selbst abgnibbeln darf.

Was die Menschleins in der Zeit als ich in der Klinik war zu Hause alles angestellt haben: auf der nächsten Seite.

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